10 Tage Heilfasten im Alltag - Mein Erfahrungsbericht

Ist Heilfasten im Alltag mit Job, Heilpraktikertätigkeit und Kindern möglich? 

Ich hatte in diesem Frühling das tiefe Bedürfnis, mich nochmal am Heilfasten zu versuchen. Mein letztes Fasten nach Buchinger ist mittlerweile 10 Jahre her und war damals ein Fastenwandern fernab vom Alltag. Diesmal wollte ich versuchen, das Heilfasten in meinen Alltag mit Job, Selbstständigkeit und 2 kleinen Kindern zu integrieren. Hier folgt mein Erfahrungsbericht.

Da ich vor ein paar Wochen mit Krafttraining angefangen habe, habe ich das Heilfasten für meine Bedürfnisse etwas abgewandelt. Statt Tee mit Honig erlaube ich mir jeden Morgen einen kleinen Naturjoghurt, Mittags einen Obstsaft und Abends eine Gemüsebrühe mit 100ml Gemüsesaft. Angefangen habe ich mit 2 Entlastungstagen, an denen ich nur Haferschleim, Obst, Gemüse und Reis gegessen habe.

1. Entlastungstag

Die Umstellung von dem, was ich normalerweise esse, fällt mir erstaunlich leicht. Vorteil ist, dass ich auch sonst nur entkoffeinierten Kaffee trinke, daher habe ich keine Entzugserscheinungen. Ich habe allerdings oft Hunger, da mir die Menge einfach viel zu gering ist. Mein Körper ist außerdem der Meinung, dass Obst, Gemüse, ein paar Haferflocken und Reis unmöglich satt machen können. Den Hunger versuche ich mit einem langen Spaziergang und Krafttraining zu überspielen. 

2. Entlastungstag

Der zweite Entlastungstag fällt mir schon deutlich leichter, auch wenn ich nachmittags leichte Kopfschmerzen bekomme. Dafür war ich morgens früher wach als sonst und bin auch ansonsten voller Energie für einen langen Spaziergang. Ich merke allerdings, dass ich schneller genervt bin als sonst – könnte wohl am Hunger liegen. Ich freue mich auf den Fastenbeginn am nächsten Tag. Insgesamt hatte ich gedacht, dass die 2 Entlastungstage mir deutlich schwerer fallen würden. 

1. Fastentag

Heute beginne ich das Fasten ganz klassisch mit Glaubersalz. Leider habe ich es wohl etwas zu hoch dosiert (Körpergewicht / 2 in Gramm). Beim nächsten Mal nehme ich definitiv weniger. Mir ist den ganzen Tag sehr kalt, manchmal schüttelt es mich richtig. Mittags trinke ich einen Obstsaft, danach habe ich Lust auf Bewegung und mache ein bisschen Pilates. Abends gibt es dann eine warme Brühe mit Gemüsesaft gegen die Kälte. Ich trinke außerdem viel Ingwertee mit Zitrone, um die Kälte zu vertreiben und gehe pünktlich ins Bett. 

2. Fastentag

Ich habe richtig gut geschlafen und starte voller Energie in den Tag. Die Energie hält auch den ganzen Tag über an, was mich wirklich freut. Selbst mein übliches Krafttraining klappt problemlos. Da mir immer noch ständig kalt ist, versuche ich es mittags mit einer Gemüsebrühe. Nachmittags habe ich plötzlich weiße Blitze vor den Augen und kann kaum lesen, was mir einen großen Schreck einjagt. Ich trinke 100ml Obstsaft und gehe an die frische Luft und innerhalb von 10 Minuten ist der Spuk vorbei. Leider habe ich die meiste Zeit Hunger, was nicht besonders angenehm ist. Heute habe ich einen vollen Tag und schaffe nur einen sehr kurzen Spaziergang. 

3. Fastentag

Heute muss ich den ganzen Tag zur Arbeit, was ich mir vorher deutlich schwieriger vorgestellt hatte. Ich komme sehr gut und mit viel Energie durch den Tag und mache mittags einen langen Spaziergang. Beim Abendessen mit der Familie merke ich immer wieder, dass es mir schwer fällt, nicht nach der Paprika zu greifen. Ich schaffe es aber, jede Mahlzeit dabei zu sein, auch wenn es nicht einfach ist. Meine Kinder sind irritiert davon, dass ich nichts esse, unterstützen mich aber. Abends bin ich so voller Energie, dass ich deutlich später als sonst ins Bett gehe. 

4. Fastentag

Heute geht es mir morgens nicht gut, ich schwitze, bin zittrig und relativ schwach. Zum Glück ist Samstag. Ich trinke erst mal 2 große Gläser Wasser, esse dann meinen Joghurt und trinke 2 Tassen Ingwertee. Nach einem entspannten Spaziergang mit Pause im Freien geht es mir deutlich besser. Ich bin trotzdem langsamer und mache bei der Hausarbeit häufiger eine Pause. Abends gehe ich in die Sauna, um die Entgiftung zu unterstützen. Der Hunger ist immer noch allgegenwärtig, aber auszuhalten. Ich hätte allerdings gehofft, dass ich weniger Hunger haben würde. 

5. Fastentag

Heute habe ich endlich das Gefühl, dass mein Körper im Fastenstoffwechsel angekommen ist. Ich habe weniger Hunger (nicht keinen Hunger, nur weniger), schwitze etwas mehr als sonst und habe auch häufiger das Bedürfnis, mir die Zähne zu putzen. Nachmittags sind die Großeltern zu Besuch und ich muss erklären, warum ich nichts esse. Insgesamt finde ich, dass es Andere anscheinend irritiert, dass ich faste. Ich fühle mich wie auf einer Studentenparty, wenn man als Einziger keinen Alkohol trinkt. Mein Spaziergang ist heute deutlich langsamer, da ich meine Kinder dabei habe. 

Zwischenbericht 

Insgesamt geht es mir deutlich besser als erwartet. Ich kann meinen Alltag fast genauso wuppen wie immer, nehme mir aber bewusst Zeit für viele Spaziergänge und regelmäßige Pausen. Nachdem ich am Anfang dachte, dass ich mal schaue, wie es so läuft, bin ich inzwischen optimistisch, dass ich die 10 Tage durchhalte. Der 10. Fastentag ist übrigens Karfreitag, an dem wir bei meinen Eltern sind. Wieder stört es meine Eltern mehr als mich, dass ich an Karfreitag nichts essen werde. Ich habe übrigens bisher 4 kg abgenommen – tatsächlich mehr als ich erwartet habe. Außerdem schlafe ich deutlich besser und bin morgens früher wach. 

6. Fastentag

Heute wache ich wieder frisch und erholt auf und bin voller Tatendrang. Daher bin ich ein bisschen überrascht, dass mein Krafttraining nicht so einfach klappt wie sonst. Die Übungen fallen mir echt schwer, und 2 Übungen muss ich sogar vorzeitig abbrechen. Trotzdem ziehe ich es durch und gehe nachmittags wieder meine übliche Runde spazieren. Den Abend lasse ich dann beim Dance Aerobic ausklingen. Es ist also insgesamt ein sehr bewegungsreicher Tag. Ich habe kaum noch Hunger und das Gefühl, ich könnte noch wochenlang weiterfasten. 

7. Fastentag

Ich habe das Gefühl, dass ich zwar wach und sehr klar im Kopf bin, aber körperlich weniger Energie habe als sonst. Ich bin schneller außer Atem als normalerweise. Immer, wenn mir das auffällt, trinke ich ein großes Glas Wasser. Das viele Trinken fällt mir, die sich sonst eher zum Trinken zwingen muss, extrem leicht, da ich sehr viel Durst habe. Ich komme locker auf 3 - 4 Liter pro Tag, bestehend aus Wasser und Ingwertee mit Zitrone. Mittags mache ich wieder einen langen Spaziergang, der mir allerdings recht anstrengend vorkommt. 

8. Fastentag

Heute habe ich den ganzen Tag Patienten, was mir erstaunlich leicht von der Hand geht. Körperlich habe ich aber weiterhin echt weniger Energie als normalerweise. Bei meinem üblichen Spaziergang über den Berg muss ich bergauf sogar 2x eine Pause einlegen. Ich fühle mich dabei ziemlich kurzatmig, als ob ich Joggen würde oder wie während einer Erkältung. Dadurch habe ich nicht mehr das Gefühl, noch ewig weiterfasten zu können, sondern langsam die Nase voll. Da aber nur noch 2 Tage vor mir liegen, bin ich fest entschlossen, das Fasten durchzuziehen. 

9. Fastentag

Letzte Nacht habe ich anderthalb Stunden weniger geschlafen, als sonst, und bin morgens trotzdem hellwach. Für mein Krafttraining habe ich allerdings keine Energie und lasse es kurzerhand ausfallen. Stattdessen mache ich 15 Minuten Pilates, was mich allerdings auch zum Schwitzen bringt. Mein Spaziergang über den Berg klappt heute wieder ohne Pause. Hunger habe ich fast gar keinen mehr. Abends habe ich sogar das Gefühl, als wäre mir meine Brühe zu viel. Ein verrücktes Gefühl zu erleben, wie satt ein Joghurt, ein Saft oder eine Brühe machen können. 

10. Fastentag

Heute ist Karfreitag, mein letzter Fastentag. Ich freue mich richtig auf das Fastenbrechen am nächsten Morgen. Nachmittags sind wir bei meinen Eltern. Es ist total faszinierend, wie ich gut gelaunt mit am Essenstisch sitzen kann, ohne das Bedürfnis zu haben, auch etwas zu essen. Das hätte ich vorher nie gedacht. Mein Spaziergang ist heute sehr langsam und entspannt, da wir eine größere Gruppe sind. Ich bin wahnsinnig stolz auf mich, dass ich die 10 Tage durchgezogen habe, bin aber überzeugt davon, dass es jetzt auch reicht. 

Fastenbrechen

Das Fastenbrechen praktiziere ich total klassisch mit einem Apfel. Ich schneide ihn in Zwölftel und kaue jeden Happen ganz bewusst und langsam. Entgegen meiner Erwartungen schaffe ich den kompletten Apfel und habe bereits 2 Stunden später schon das nächste Mal Hunger – mein Körper ist also sofort bereit, wieder auf Nahrungsaufnahme umzustellen. Mittags und Abends esse ich eine Gemüsesuppe, die mir geschmacklich absolut himmlisch vorkommt. Von der Bratwurst, die meine Familie sich abends beim Osterfeuer holt, lasse ich besser noch die Finger.

Aufbautage

An den Aufbautagen esse ich insgesamt viel Obst und Gemüse und taste mich langsam an meine übliche Ernährung ran. Ich vertrage alles super, bin aber deutlich schneller satt und steigere die Mahlzeiten nur langsam. Ich habe sofort wieder meine alte Energie zurück und zelebriere schon am zweiten Aufbautag wieder mein übliches Krafttraining. Ich mache weiterhin viele Spaziergänge und trinke auch weiterhin deutlich mehr als früher. Jetzt, anderthalb Wochen nach dem Fastenbrechen, esse ich immer noch etwas weniger als früher, aber deutlich gesünder. So lasse weiterhin die Finger von Süßigkeiten und Weißmehl und koche alles frisch. 

Heilfasten im Alltag - Ja, es ist möglich!

Meiner Erfahrung nach sind 10 Tage Fasten im Alltag mit Job und Kindern absolut möglich. Durch meine Selbstständigkeit konnte ich mir aber viele Auszeiten nehmen, die ich für lange Spaziergänge genutzt habe. Das Essen am Familientisch war entgegen meiner Erwartungen kein Problem, es hat mich kaum gestört, den anderen beim Essen zuzusehen. Länger als 10 Tage wären wohl auch möglich gewesen, aber für mich hat es absolut ausgereicht. Insgesamt habe ich 5 kg abgenommen, etwa das, was ich erwartet hatte. Der größte Gewichtsverlust war am Anfang der Fastenzeit. Jetzt danach habe ich insgesamt mehr Energie als vorher und komme beim Sport viel weniger ins Schwitzen. Es war eine tolle Erfahrung, die ich im nächsten Frühling bestimmt wiederholen werde. 

Dana Hafenberg - Heilpraktikerin aus Leidenschaft

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